«Warum schreibst du eigentlich nie über deine Vorbilder?», werde ich gefragt. Es klingt vorwurfsvoll, beinahe wie: «Hast du etwa keine?» Natürlich habe ich Vorbilder. Aber für mich gibt es nicht das Vorbild. Es gibt Menschen, die bewundernswert sind und mich inspirieren. Wie könnte ich da entscheiden? Ich möchte die optimistische Einstellung meines Vaters und die Sensibilität und Lebenserfahrung meiner Mutter.
Ich möchte so schreiben können wie Goethe: etwas bewegen, verändern, Neues schaffen. Aber ist es nicht unrealistisch, einem Idol nachzueifern, wenn ich vielleicht ganz anders veranlagt bin? Besteht dann nicht die Gefahr, enttäuscht zu werden? Ich sollte das Wort auseinandernehmen. Vor-Bilder wären dann einfach Vorstufen. Vorstufen zur Entdeckung meiner eigenen Begabung und Berufung.
Vorbilder sind wandelbar, begleiten mich ein Stück auf meinem Weg, bis sie von anderen abgelöst werden, aber nicht, ohne Spuren zu hinterlassen. Ein wirklich schöner Gedanke: Vielleicht steckt dereinst eine Spur Goethe in mir!










